Bin ich wirklich ein Scanner?

Na, das geht ja schon gut los… Letzte Woche habe ich diesen Blog freudig gelauncht und mich damit “geoutet”, eine Scannerpersönlichkeit zu sein. Und schon in der zweiten Woche stelle ich das wieder in Frage? Jein! Ich stelle nicht in Frage, DASS ich eine Scannerin bin, aber durchaus, bis zu welchem Grad das auf mich zutrifft. Aber vielleicht sollte ich erst einmal die Frage klären, was ein Scanner wirklich ist, denn diese Frage wurde mir in den letzten Tagen häufiger gestellt.

Was ist ein Scanner?

Ein Scanner, oder auch Vielbegabter, Multitalent oder Multipotentialite (such dir was aus! 😉 ) ist grob gesagt eine Person, die

  • sich schnell langweilt
  • eine ausgeprägte Neugier (an unterschiedlichen Themen) besitzt
  • sich bei der Fülle an interessanten Themen oft nicht entscheiden kann, womit sie sich zuerst befassen soll
  • sich am liebsten mit allem gleichzeitig befassen möchte
  • Routinearbeiten und Jobs hasst, in denen es keine Abwechslung gibt
  • ständig neue Ideen hat, die sie gerne umsetzen möchte
  • sich ständig fragt “Was ist die eine Begabung meines Lebens, die ich “gewinnbringend” einsetzen kann?”, weil andere sowas ja schließlich auch haben
  • neue Hobbies oder Tätigkeiten aufnimmt, nur um sie kurz danach wieder aufzugeben
  • oft nach außen keinen roten Faden bei Interessen und Tätigkeiten erkennen lässt
  • ständig das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn sie sich mit dem immer gleichen Dingen beschäftigt
  • von außen meist als sprunghaft und wankelmütig angesehen wird
  • ihre Sprunghaftigkeit und ihre vielseitigen Interessen oft eher als Last und weniger als Bereicherung empfindet
  • oft denkt, sie kann nichts, weil sie sich für ihre Ergebnisse nicht anstrengen muss und deswegen häufig ein geringes Selbstwertgefühl hat (“Das kann ja jeder und deswegen ist mein Wissen ja nichts wert!”)

Ich bin mir nicht sicher, ob die Aufzählung vollständig ist und überhaupt ist sie aus verschiedenen Quellen “zusammengeschustert” (teilweise kommen die Punkte auch von mir selber) 😉 Aber so in etwa sieht ein Scanner aus bzw. fühlt sich und handelt so.

Bin ich nun wirklich ein Scanner?

Ganz ehrlich: Wenn ich den “Test” von Anne Heintze, eine der führenden “Experten”, die sich mit diesem Thema befassen, mache, komme ich nur in wenig mehr als der Hälfte aller Fragen auf ein JA. Es gibt Aspekte in diesem Fragebogen, die auf mich nicht wirklich oder nur wenig zutreffen. Außerdem bin ich dem Expertentum nicht per se abgeneigt, vor allem nicht, weil ich mich Facebook Marketing Beraterin nenne – derzeit! Und ich denke, darauf liegt die Betonung! Ich bin durchaus der Meinung, dass auch ein Scanner Experte in etwas sein oder werden kann (was ich ganz sicher in einem weiteren Beitrag mal auseinandernehmen werde). Aber ich mache das jetzt seit gut einem Jahr bzw. ich arbeite seit ca. 5 Jahren im Bereich Social Media. Es ist ein spannendes Feld und bietet sehr viel Abwechslung, so dass mein innerer Fluchtreflex nicht ganz so ausgeprägt ist. Außerdem bietet meine Selbstständigkeit ständig Anlässe für Abwechslung und neuen Input, so dass ich auch hier sehr gut aufgehoben bin (ich weiß schon, warum ich mich selbstständig gemacht habe….). Aber gleichzeitig merke ich, dass das Thema doch ein wenig anfängt, mich zu langweilen und dass ich mir aus heutiger Sicht nicht vorstellen kann, in 5 Jahren immer noch Leute dahingehend zu beraten, wie sie ihre Facebook-Seite betreuen, Inhalte erstellen und Anzeigen schalten.

In anderen Bereichen geht es mir ähnlich: Vor ca. 2 Jahren wollte ich unbedingt nähen lernen. Also suchte ich mir jemanden, der mir die ersten Schritte zeigte und bin danach alleine losgezogen. Ich habe mir recht schnell eine eigene Nähmaschine gekauft und sogar noch eine Overlock-Maschine (eine Maschine, mit der man schnell und einfach Stoff versäubern und zusammennähen kann, was eine riesige Erleichterung darstellt). Allerdings ist meine anfängliche Euphorie verpufft und ich tue mich etwas schwerer als vorher, mich an die Nähmaschine zu setzen. Mein Gedanke ist “Ich kann es ja jetzt! Es gibt nicht mehr so viel zu lernen für mich!” und von daher sieht man mich immer seltener an meiner Nähmaschine sitzen (auch wenn ich noch nicht vollständig die Lust verloren habe und trotzdem gerne an der Maschine sitze, wenn ich mich einmal dazu “überwunden” habe).

Ich habe in meinem Leben schon verschiedene Dinge ausprobiert (dazu werde ich auch mal was in einem Beitrag schreiben) und habe das Meiste davon auch wieder aufgehört. Ich habe einige Ideen und Projekte ins Leben gerufen und sie wieder fallen gelassen, als das Thema für mich irgendwie durch war. Ich kann in manchen Dingen konstant sein und Dinge auch abschließen (meine unterschiedlichen Ausbildungen und Studiengänge beweisen dies), aber in den meisten Fällen kommt irgendwann der Punkt, an dem ich sage “War nett, aber: What’s next?”.

Laut dem Test von Anne Heintze passe ich vielleicht nicht 100% in das Schema eines Scanners. Aber gleichzeitig steht auch unter diesem Test Folgendes:

Aber es ist wirklich vollkommen egal, ob du eine Schublade findest, in die du dich stecken lassen möchtest. Es ist vollkommen egal, ob du eine Testung, einen Wert, einen Begriff, eine Zahl hast, die dir irgendwann einmal mitgeteilt wurde. Das einzige, was wirklich wichtig ist, ist das du das Gefühl von Erkenntnis hast. Dass du dich verstanden fühlst, angenommen fühlst, „wahr“-genommen fühlst, das Empfinden hast, „Ja, das passt zu mir“ oder „so bin ich“. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du eine vielbegabte Scannerpersönlichkeit bist.

Für mich sagt das alles aus, was in meinen Augen zählt: Ich bin vielleicht in manchen Bereichen nicht so sprunghaft wie andere Scanner, ich bringe Dinge auch mal zu Ende, ich finde Expertentum nicht per se blöd und meine Neugierde deckt nicht alle Themen von Astrologie bis Zoologie ab. Aber ich langweile mich schnell, ich lese oft mehrere Bücher gleichzeitig, hasse nichts mehr als Eintönigkeit und immer gleiche Arbeiten, produziere ständig neue (Geschäfts-)Ideen und – ja – an mir nagen häufig Selbstzweifel, weil ich denke “Das kann doch jeder! Ich bin kein Experte, sondern Hochstapler, weil das doch jeder können kann (toller Satz!) und ich hier banales Wissen teuer verkaufe!”.

Ich mag vielleicht nicht der Parade-Scanner sein, auf den die üblichen Beschreibungen zu 100% zutreffen. Aber Schubladen waren noch nie so ganz mein Ding 😉 Ich bin zwar nicht unbedingt ein Dauerbewohner in der Scanner-Schublade, aber ich schaue doch immer wieder in dieser Schublade vorbei und denke mir “Ach, ist ja eigentlich doch ganz gemütlich hier!”.

Ja, ich bin ein Scanner – zwar nicht zu 100%, aber doch mehr als viele andere Menschen, die ganz eindeutig gradliniger und konstanter im Leben sind als ich. Das Wichtigste ist doch: Ich bin ich, manchmal sprunghaft, manchmal konstant, aber immer irgendwie ein bisschen verrückt und voller Ideen 😉

Ich wünsche dir eine bunte Zeit!

Liebe Grüße
Claire

4 thoughts on “Bin ich wirklich ein Scanner?

    1. Ich denke, darum geht es eigentlich gar nicht. Um ein Scanner zu sein, muss man nicht 100% in dieses Schema passen. Ich denke, es geht dabei eher um die Grundtendenz, sehr neugierig zu sein und ständig neuen Input zu brauchen.

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