Und ewig grüßen die Selbstzweifel…

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich kann innerhalb eines Tages von “Ich fühle mich super und ich habe echt was drauf!” zu “Ich bin ein totaler Versager!” wechseln (und zum Glück auch wieder zurück, wobei ich dafür meist ein paar Tage mehr brauche). Allein in den letzten zwei Wochen ist mir das zwei Mal passiert.

Das erste Mal hatte ich ein Beratungsgespräch mit einer Kundin, das, naja, ein wenig schief gelaufen ist. Ich wusste während des Gesprächs das eine oder andere nicht, so dass wir die Beratung abbrechen mussten. Sie sagte mir anschließend mehrfach (persönlich vor Ort aber auch später per Telefon und auch noch einmal per E-Mail), wie unzufrieden sie sei und dass ich ihr mehr Arbeit gemacht hätte als vorher.

Ich kam raus aus dem Gespräch und fühlte mich wie der größte Versager auf Erden. Sofort ging es mir im Kopf rum: “Du kannst nichts und das hat sich ja gerade gezeigt! Ich hatte Wissenslücken, die ich nicht hätte haben dürfen und bin deshalb keine Expertin.” Mit Hilfe einer ganz lieben Freundin, bei der ich mich erst einmal ausgeheult habe, konnte ich diese Meinung über mich jedoch erst einmal revidieren. Es stellte sich nämlich im Nachhinein heraus, dass ich fachlich gesehen nichts falsch gemacht hatte und dass meine Wissenslücken gar nicht so tragisch waren. Die Kundin will aber jetzt nicht zahlen, wobei das ein anderes Thema ist.

Die Sache ist: Ich wusste etwas nicht, ich bekam das Feedback, ich hätte riesiges Chaos angerichtet und schon ging der übliche Glaubenssatz in mir rum: “Ich kann nichts!”. Und auch wenn ich schnell gemerkt habe, dass ich mir die Schuhe, die die Kundin mir hingestellt hatte, nicht anziehen musste, so verfolgt mich dieses Erlebnis bis heute (u.a. weil es wegen der noch ausstehenden Zahlung meiner geleisteten Arbeit noch nicht abgeschlossen ist).

Die andere Situation war eigentlich das genaue Gegenteil: Ich habe einen großen Erfolg gefeiert, nur kam anschließend die Frage hoch, ob ich diesen Erfolg denn nun wirklich verdient habe. Im Gespräch mit meiner lieben Freundin (übrigens ebenfalls Scannerin) kam dann die Frage auf (ich zitiere wörtlich), “ob das “bei uns” normal ist, dass nach Erfolg der Selbstzweifel kommt. Quasi wie ein Symptom des Hochstaplersyndroms.”

Beim Hochstapler-Syndrom denkt der Betroffene ständig, dass er Erfolg nicht verdient hat und dass er nur erschlichen ist. Generell ist es so, dass Frauen mehr unter diesem Syndrom leiden als Männer und Scanner mehr als Nicht-Scanner. Super, und ich falle gleich in beide Kategorien: Frau und Scanner!

Ich habe mal in einem Coaching genau an diesen Glaubenssätzen gearbeitet und das Ergebnis war eine Umkehrung: Statt “Ich bin eine Hochstaplerin!” sage ich mir jetzt “Ich bin eine Expertin!”. Naja, zumindest theoretisch. Beim Coaching habe ich insgesamt 7 Aussagen mit einem Coach umgekehrt und diese Umkehrungen hängen an meiner Magnetwand, wo ich sie jeden Tag sehen kann. Aber das heißt ehrlich gesagt nicht, dass ich das alles schon verinnerlicht habe. Ich tue mich immer wieder schwer, eine Leistung oder einen Erfolg als solche/n anzuerkennen. Mir fällt zwar nicht alles komplett in den Schoß, wie es oft bei Scannern der Fall ist. Für manche Leistungen im Leben musste ich mich durchaus anstrengen (wenn ich z.B. daran denke, dass ich teilweise mit Mühe und Not eine 4 in Mathe geschafft habe und somit an einer 5 vorbei geschrammt bin) und es gibt auch durchaus Leistungen, auf die ich sehr stolz bin, weil ich weiß, wie viel Engagement und Herzblut ich darin investiert habe. Aber das ändert nichts daran, dass ich oft denke “Das, was ich kann, kann doch jeder!”.

Außerdem habe ich ständig die Tendenz, mich mit anderen zu vergleichen, aber nicht auf gesunde Weise. Das trägt nicht gerade dazu bei, mich besser zu fühlen oder meine Fähigkeiten mehr zu schätzen. Im Gegenteil: Ich fühle mich danach meist noch schlechter und sehe, was ich alles NICHT kann.

Jetzt könnte man sagen: Dann hör doch einfach auf damit! Nur wäre das “zu einfach” bzw. es ist nicht so leicht, ein Muster, das man sich ein Leben lang angeeignet hat, von jetzt auf gleich abzustreifen. Ich kann also nicht “einfach so” damit aufhören, denn es ist zu sehr in mir eingebrannt.

Das heißt jetzt aber wiederum nicht, dass ich nicht nichts tun kann. Ich bin schließlich nicht meinen Gedanken und Gefühlen hilflos ausgeliefert, sondern kann durchaus aktiv etwas tun, um meine Selbstzweifel zumindest teilweise zurückzudrängen. Was für mich sehr gut funktioniert, ist:

  • das Schreiben eines Erfolgstagebuchs, in dem ich jeden Arbeitstag meine beruflichen Erfolge (mind. 2) festhalte.
  • das Schreiben eines “Schöne Momente- und Dankbarkeitstagebuchs”, in dem ich jeden Tag mind. 3 schöne Momente und/oder Dinge, für die ich dankbar bin, eintrage.
  • Yoga und Meditation, um die Gedankenspirale zu durchbrechen und ganz bei mir selbst zu sein
  • Mir immer wieder bewusst machen, dass das, was ich mache, eben nicht jeder kann – schließlich kann ich ja auch andere Dinge nicht, die andere total “easy” finden. Wenn ich mir das vor Augen führe, fällt es mir meist leichter, meine Fähigkeiten auch als solche anzuerkennen.

Zusammengefasst: Das hat alles irgendwie mit Achtsamkeit zu tun! Auch wenn dieser Begriff gefühlt inflationär gebraucht wird und derzeit für so ziemlich alles “herhalten” muss, so ist der Kern der Sache doch nicht zu leugnen. Es hilft ungemein, immer mal wieder innezuhalten und zu überprüfen, was da so im Kopf und auch im Herz so vor sich geht und sich die inneren Vorgänge immer wieder bewusst zu machen. Ich glaube zwar nicht, dass ich jemals vollständig aufhören werde, in gewissen Situationen an mir selbst zu zweifeln. Aber ich merke jetzt schon, dass sich innerlich für mich einiges geändert hat und dass ich vor allem oft schneller aus dem Gedankenkarussell wieder herauskomme als früher. Noch vor einigen Monaten bzw. Jahren hätte mich das schwierige Beratungsgespräch mit der einen Kundin wochenlang runtergezogen. Diesmal habe ich es geschafft, zumindest das grundsätzliche Gefühl, dass ich aus fachlicher Sicht trotzdem gute Arbeit geleistet habe, innerhalb eines Tages aufkommen zu lassen. Es hilft mir also sehr, mich immer wieder daran zu erinnern, was ich alles schon erreicht habe und dass ich tatsächlich einiges auf dem Kasten habe. Es jeden Tag schwarz auf weiß zu sehen und Augen und Herz offen zu halten für positive Erlebnisse macht etwas mit mir und zwar was sehr Positives! 🙂 Ich werde also weitermachen damit, denn es tut mir gut und hilft mir, meine Selbstzweifel etwas mehr in Zaum zu halten als vorher.

Und was machst du, um deinem inneren Kritiker und deinen Selbstzweifeln zu entfliehen? Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir deine Tricks verrätst, mit denen du dich selber “überlistest” 😉 Schreib mir gerne einen Kommentar!

Ich wünsche dir eine bunte Zeit!

Liebe Grüße
Deine Claire

2 thoughts on “Und ewig grüßen die Selbstzweifel…

  1. Liebe Claire,
    Du sprichst mir aus der Seele. Genauso geht es mir auch. Ich fühle mich auch durch Deine Blogbeiträge immer mehr bestätigt, dass ich auch in die Scanner-Kategorie passe. Es ist ziemlich anstrengend, diese Auf und Abs der Gefühle auszugleichen. Aber genauso geht es mir auch. Auf das umjubelte Hoch folgt unweigerlich das schlimme Tief, denn es kann ja nicht immer oben bleiben (warum eigentlich nicht?). Es sind eben nicht alle superzufrieden und mit einem NEIN kann ich immer noch nicht gut umgehen. Aber: Es tut gut zu wissen, dass man daran arbeiten kann. Nicht man. Ich. Danke, Claire!

    1. Liebe Silke,

      es freut mich sehr, wenn ich mit meinem Blog einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, anderen Scannern zu helfen, indem ich einfach darüber rede, wie es mir geht und wie ich mit bestimmten Situationen umgehe. Ja, es gibt in der Tat Möglichkeiten, daran zu arbeiten. Wobei ich denke, dass das ein lebenslanger Prozess ist, der nie so richtig aufhören wird. Aber das ist ok, solange man immer wieder aus einer Situation mit vielen Selbstzweifeln wieder herausfindet 🙂

      Liebe Grüße
      Claire

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